Auf Ihrer Winterversammlung beschloss die Sankt Hubertus-Gilde Keylaer ihr Gründungsjahr neu festzulegen. Bislang war die Hubertusgilde Keylaer von einem Gründungsjahr 1634 ausgegangen. Diese Festlegung war 1934 getroffen worden, obwohl auch damals schon ältere Urkunden und Gildenrechnungen vorlagen. Doch war man in diesem Jahr festgebender Verein in Kevelaer und wollte wohl anlässlich des Festjahres das 300-jährige Jubiläum feiern. Ähnliches war auch schon 1912 passiert, da feierte man unter Berufung auf eine Urkunde aus dem Jahre 1662 das 250-jährige Jubiläum.
Archivar Reinhard Peters stellte in einem kurzen Vortrag die bekannten und teilweise im Besitz der Gilde befindlichen Unterlagen und die damit verbundenen Eckdaten der Gildengeschichte vor. Eingetragener Verein ist die Gilde erst seit 1969, dies wurde nötig, da der Kauf eines Grundstückes auf der Ecke Hubertusstraße/ Windmühlenstraße anstand auf dem in Zukunft die Hubertuskirmes stattfinden sollte. Ein weiteres Eckdatum war der 26. Januar 1948. An diesem Tag fand mit dem Familienabend zum ersten Mal nach dem Verbot im Jahre 1937 wieder eine Veranstaltung der Gilde statt. Dies alles wird belegt durch ein handgeschriebenes Protokollbuch, das von 1931 bis 1967 geführt wurde. Ab 1967 wurden die Protokolle dann mit der Schreibmaschine als lose Blattsammlung geführt, auch diese Protokolle sind noch erhalten. Ein zweites Dokument ist ein Protokollbuch, dass von 1863 bis 1929 geführt wurde. Anlass für das Anlegen dieses Protokollbuches war das Wiederbeleben der Gilde nach einer ca. 30-jährigen Ruhephase anlässlich der Beerdigung des langjährigen Pfarrers Johann Heinrich Krickelberg. Weitere im Besitz der Gilde befindliche Dokumente sind ein Totenbuch, das ab 1705 geführt wurde, ein Reglement aus dem Jahr 1693 und Gildenrechnungen aus den Jahren 1630-34, sowie Schützensilber aus dem 17. Jahrhundert, wobei die älteste Plakette auf das Jahr 1682 datiert.
Obwohl schon lange bekannt war, dass die Gilde älter sein musste als 1634, was durch die Gildenrechnungen von 1630 auch schon belegt war, hatte man es bislang bei dem Gründungsjahr 1634 belassen. Im Zuge der Nachforschungen zum Jubiläumsjahr 875 Jahre Keylaer im Jahr 2019, wurden jedoch weitere Dokumente und Sachquellen bekannt, die nun Anlass waren über eine Neufestsetzung des Gründungsjahres nachzudenken. In einem Beitrag zur Siedlungsgeschichte von Kevelaer verwies die damalige Stadtarchivarin Dorothee Flemming-Lühr auf eine Steuerliste der Gelders Rekenkamer in Arnheim. Eine Liste mit dem Titel „Thins tho Keveller up dach Catarine tho bueren“ aus dem Jahr 1577 enthält den Eintrag „Sinth Hubertzgild van die genserij VII d(inar)“. Dieser Eintrag belegt die Existenz der Gilde im Jahr 1577, die Erwähnung in einer solchen Liste bedeutet, dass die Hubertusgilde als wirtschaftlich handlungsfähige Gemeinschaft über Eigenbesitz und Einnahmen verfügte.
Ein weiterer Sachbeleg für eine frühere Existenz ist die heutige Glocke der Hubertuskapelle, die die Inschrift „Sanct Hubertus 1477“ trägt. Diese Glocke belegt eine etablierte Hubertus-Verehrung zu diesem Zeitpunkt sowie eine organisierte Gemeinschaft, die in der Lage war, die Glocke zu stiften. Die Existenz einer Hubertus-Glocke aus dem Jahr 1477 spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Bestehen der Hubertusgilde bereits im ausgehenden Mittelalter. Glocken dieser Art wurden in der Regel nicht für Einzelpersonen, sondern für dauerhafte kirchliche und gemeinschaftliche Strukturen geschaffen.
Die Entstehung der Gilde im 15. Jahrhundert passt auch gut in den Kontext am unteren Niederrhein. Wie ein Blick in die Nachbarschaft zeigt, entstanden in vielen Bauerschaften im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert rund um die Kapellen bäuerliche Gilden mit religiösen (Gottesdienst, Andacht und Totengedenken), sozialen (gegenseitige Hilfe und Unterstützung in Notlagen) sowie ordnenden und schützenden Funktionen.
Nach Vorstellung der Daten und Fakten stimmte die Gilde über eine Neufestlegung des Gründungsjahres ab. Die Gilde beschloss einstimmig in Zukunft als Gründungsjahr das Jahr 1477 anzunehmen. Im Übrigen gilt die Aussage von Carl Schuhmacher, einem Winnekendonker Historiker, der in einem Aufsatz zur Gilde 1912 anlässlich des 250-jährigen Jubiläums bereits von einem viel höheren Alter der Gilde ausgeht und zum Schluss jedoch feststellt: Das genaue Gründungsjahr aber wird sehr wahrscheinlich nie mehr bekannt werden.
Damit sieht sich die Gilde nun vor der Aufgabe im kommenden Jahr 2027 das 550-jährige Jubiläum der Hubertus-Glocke und der St. Hubertus-Gilde würdig zu feiern.
Quelle: Rijksarchief Arnhem, 0012 Gelders Rekenkamer, 1082-Mei-en-herfstbeden, varkens en geldrenten 1577.

In einer Steuerliste aus dem Jahr 1577 für Kevelaer wird die „Sinth Hubertzgild“ namentlich aufgeführt. Foto: Reinhard Peters

Die Glocke in der Hubertuskapelle trägt die Inschrift: „sanctus • hubertus• Anno • dnī• m • cccc• lxxvii • meister • iacop• van • venrade“. Foto: Hubert Peters 2018

Im Turm der Hubertuskapelle befindet sich die spätmittelalterliche Glocke, die die Existenz der Hubertus-Gilde bereits für das Jahr 1477 belegt. Foto: Hubert Peters 2018